Ausstellungsnotizen
Diese Seite begleitet die Ausstellung *Three Rooms*.
In den kommenden Wochen erscheinen hier in unregelmäßigen Abständen kurze Texte zu einzelnen Räumen, zur Entstehung der Arbeiten und zu Beobachtungen aus dem Prozess.
Die Ausstellung funktioniert auch ohne diese Notizen.
Sie sind als Ergänzung gedacht für alle, die später noch einmal zurückkehren möchten.
Exhibition Notes
This page accompanies the exhibition “Three Rooms”.
Over the coming weeks, short texts will appear here at irregular intervals, reflecting on individual rooms, the making of the work, and observations from the process.
The exhibition stands on its own without these notes.
They are intended as an addition for those who wish to return at a later moment.
28. Januar 2026
Zwischen Blick und Geste
Raum II - Anastasiia
Dieser Raum ist aus einer längeren Annäherung entstanden. Nicht aus dem Wunsch, den Körper zu zeigen, sondern aus dem Versuch, eine Haltung zu finden: zwischen Nähe und Distanz, zwischen Inszenierung und Beobachtung.
Die Fotografien sind in einem privaten Raum entstanden, im Tageslicht. Architektur, Vorhang, Bett, Spiegel - all das bleibt sichtbar, ohne zur Kulisse zu werden. Der Raum schützt, begrenzt und öffnet zugleich. Licht fällt nicht flächig, sondern selektiv. Es formt Zonen, in denen sich Blick, Körper und Geste verdichten.
Mich interessierte weniger der Akt als solcher als das, was ihn umgibt: der Moment des Innehaltens, das Spiel der Hände, eine Bewegung, die nicht abgeschlossen ist. Der Körper erscheint nicht als Objekt, sondern als Träger von Spannung, Wahrnehmung und Zeit.
Symbole treten nur beiläufig auf. Sie sind angedeutet: als Geruch, als Berührung, als Blick nach innen. Bedeutung entsteht nicht durch Erklärung, sondern im Zusammenspiel von Licht, Haltung und dem, was sich dem Zugriff entzieht.
Der Raum bleibt offen. Als Einladung, genauer hinzusehen.
→ Zum Raum II - Anastasiia
English version below
Anastasiia, Berlin, 2025
Between Gaze and Gesture
Room II - Anastasiia
This space emerged from a prolonged process of approach. Not from the desire to display the body, but from an attempt to find a position: between proximity and distance, between staging and observation.
The photographs were taken in a private interior, in daylight. Architecture, curtain, bed, mirror - all remain visible without turning into mere backdrop. The space protects, confines, and opens at the same time. Light does not spread evenly; it falls selectively, forming zones in which gaze, body, and gesture condense.
I was less interested in the nude as such than in what surrounds it: the moment of pause, the movement of hands, a gesture that remains unfinished. The body does not appear as an object, but as a bearer of tension, perception, and time.
Symbols appear only incidentally. They are suggested rather than fixed: as scent, as touch, as an inward glance. Meaning does not arise through explanation, but through the interplay of light, posture, and that which resists grasp.
The space remains open. An invitation to look more closely.
→ To Room II - Anastasiia
21. Januar 2026
Bühnen des Alltäglichen
Raum I - Italien
Diese Serie entstand im September 2025 in Italien, an Orten, die tief im kollektiven Bildgedächtnis verankert sind.
Mich interessierte dabei weniger das ikonische Motiv als die Frage, wie vertraute Orte gelesen werden können, wenn sie nicht als Sehenswürdigkeit, sondern als Kulisse erscheinen. Architektur wird zur Bühne, Geschichte bleibt präsent, ohne im Vordergrund zu stehen.
Die Bilder folgen keiner linearen Erzählung. Jede Fotografie steht für sich, ohne eine Geschichte zu erklären oder fortzuführen. Menschen - sowohl als Individuum als auch als Teil einer Gruppe - treten in den gezeigten Alltagssituationen nicht als Hauptfiguren auf, sondern als Teil eines Gefüges aus Raum, Licht und Zeit.
Der Raum schließt mit einem Blick nach oben. Nicht als Geste des Abschlusses, sondern als Öffnung und als Erinnerung daran, dass Sehen immer auch ein Verhältnis von Standpunkt und Perspektive ist.
→ Zum Raum I - Italien
English version below
Pantheon, Rom, 2025
January 21, 2026
Stages of Everyday
Room I - Italy
This series was created in Italy in September 2025, at places that are deeply embedded in the collective visual memory.
What interested me less was the iconic motif itself than the question of how familiar places can be read when they appear not as landmarks, but as stages. Architecture becomes a setting, history remains present without occupying the foreground.
The images do not follow a linear narrative. Each photograph stands on its own, without explaining or continuing a story. People - both as individuals and as part of a group - do not appear as protagonists in the depicted everyday situations, but as elements within a constellation of space, light, and time.
The room concludes with an upward gaze. Not as a gesture of closure, but as an opening and as a reminder that seeing is always shaped by position and perspective.